Keine Zeit zum Genießen

Ich zwang mich, wenigstens die atemberaubende Dschungellandschaft zu genießen. Es gelang mir nur in Ansätzen. Ich sah meine Freundin an und wir waren uns einig, dass wir dieser Tierquälerei so rein gar nichts Positives abgewinnen konnten. Selbst die schwedischen Kinder unserer Gruppe, von denen man noch einen Hauch unreflektierter Begeisterung hätte erwarten können, ließen diese vermissen und wirkten ebenfalls nicht sonderlich angetan von diesem Ritt. Ich kam zu dem Schluss, dass man tatsächlich eine dickere Haut als die Reittiere entwickeln müsse, um das Ganze ertragen zu können.

Die Enttäuschung über den Elefantenritt (oder besser über uns selbst, dass wir uns auf so etwas überhaupt eingelassen haben) noch nicht verdaut, ging es umgehend weiter. Nach kurzer Fahrt hielten wir an einer Aussichtsstelle direkt an der Straße und tauschten den Stellplatz mit einem anderen Bus, der diesen Ort gerade verließ. Gedanken an Massenabfertigung verdichteten sich zunehmend.

Als wir den Minibus jedoch mit dem Philipp Plein hoodie verließen, bot sich uns in der Tat eine spektakuläre Aussicht über ein weitläufiges Tal – den Dschungel im Vordergrund, markante Höhenzüge am Horizont. Ich atmete tief durch und sog das Panorama auf, das Klicken der Auslöser unzähliger Fotoapparate ignorierend. Doch noch ehe ich meine Kamera in Anschlag bringen konnte, wurden wir wieder zum Bus gebeten.

Ich ließ mich davon allerdings nicht beeindrucken, nahm mir die Zeit für einige Fotos und ließ den Blick erneut über das herrliche Panorama schweifen, bevor ich als Letzter zum Bus zurückschlenderte. Im Gegensatz zu Yu schien meine Reisegruppe dafür Verständnis aufzubringen.

Weiter ging es im Eiltempo zu einem Tempel im Dschungel, dem Affentempel. Um die Spannung zu schüren, erklärte uns Yu, dass wir schon etwas Glück haben müssten, um dort die namensgebenden Tiere zu erblicken. Die Realität sah allerdings anders aus: Unzählige Affen tummelten sich rings um den Tempel, lungerten faul im Schatten der Bäume herum oder schenkten den zahlreichen Besuchern einen gelangweilten Blick. Man konnte ihnen so nah kommen, dass es klar war, diese Tiere haben ihre Rolle als Touristenattraktion klaglos akzeptiert. Wenigstens waren sie hier nicht eingesperrt oder schienen irgendwelche lächerlichen Kunststückchen vorführen zu müssen.

Gerade einmal einige Schnappschüsse später, wurde wieder das Signal zum Aufbruch gegeben. Wir hatten die Affen gesehen und ein Besuch des Tempels stand offenkundig nicht auf dem Programm. Warum auch, wer will schon Tempel besichtigen, wenn er gelangweilte Affen sehen kann?

Die Stimmung im Bus schien deutlich gesunken, meine persönliche war auf dem Tiefpunkt. Doch Yu wusste, was dagegen zu tun ist: Mittagessen! Wir wurden zu einem Gasthaus im Dschungel gekarrt, wo in einer offenen Bambus-Halle ein üppiges Buffet auf uns wartete. Dieses lässt sich mit Fug und Recht als äußerst schmackhaft beschreiben. Auch hatten wir diesmal genug Zeit, um zumindest in Ruhe aufzuessen.